Wissen teilen und dadurch vermehren

Markt & Wirtschaft Westfalen 12 /2006

Interview mit Johanna Brühl

Veröffentlicht 12/2006

„Wissen teilend dadurch vermehren“

Wissensnetzwerke  sind die Keimzellen des Wissensmanagement. Sie bekommen für unternehmen eine immer größere Bedeutung, da das Wissen der Mitarbeiter der wichtigste Produktionsfaktor geworden ist. Wie kommt man an das Wissen der Mitarbeiter und wie kann man das Wissen im Unternehmen im Sinne einer lernenden Organisation mehren? Johanna Brühl, Geschäftsführerin des Wissensnetzwerkes „mov-eyour-vision“ und stellvertretende Vorsitzende des Netzwerkes Großgruppenmoderation e.V., über die Möglichkeiten und Nutzen von Wissensnetzwerken.

m&w: Frau Brühl, was ist unter einem Wissensnetzwerk zu verstehen?

Johanna Brühl: Lernnetzwerke oder auch Wissensnetzwerke sind über einen längeren Zeitraum bestehende Personengruppen, die Interesse an einem gemeinsamen Thema haben und Wissen gemeinsam aufbauen und austauschen wollen. Wissensgemeinschaften sind um spezifische Inhalte gruppiert, wie z.B. Technologien, Prozesse, Methoden, Produkte oder persönliche Erfahrungsfelder. Es geht in diesen Netzwerken in erster Linie darum, Wissen zu teilen und dadurch zu vermehren. Die Teilnahme ist freiwillig und meist mit keinen weiteren Kosten verbunden. Niemand wird durch das Abgeben von Wissen ärmer, vielmehr können nur alle profitieren.

m&w: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein Wissensnetzwerk erfolgreich zu initiieren und fortzuführen?

Johanna Brühl: Gerade in der Anfangsphase ist es wichtig eine Vision, mit der sich alle Netzwerkteilnehmer identifizieren können, zu erarbeiten. Auch die Themenschwerpunkte sollten gemeinsam ausgewählt werden. Denn das Thema hat wesentlichen Einfluss auf die Motivation und damit den Erfolg eines Wissensnetzwerkes. Jeder einzelne Teilnehmer soll seine Ziele und Vorstellungen einbringen können. Auf diese Weise bekommt das Netzwerk für jedes Mitglied einen persönlichen Nutzen. Ganz wichtig ist das Vertrauen zur Gruppe, das Grundlage des freiwilligen Wissensaustausches ist. Stehen die Teilnehmer zueinander im Wettbewerb, dann ist das für den Aufbau von Vertrauen und der Breitschaft, Wissen zu teilen, sehr hinderlich. Voraussetzung für Vertrauen zwischen den Wissensträgern ist auch die Kenntnis über die einzelnen Kompetenzen, um in den Netzwerkteilnehmern kompetente und ehrliche Partner zu sehen. Vertrauen entsteht meist durch die gemeinsame Arbeit an Projekten und kann nicht von heute auf morgen entstehen.

m&w: Welche Regularien sind für ein erfolgreiches Arbeiten und Lernen in Netzwerken noch notwendig?

Johanna Brühl: Die Regeln und Standards müssen von allen Teilnehmern des Netzwerkes akzeptiert und eingehalten werden. Inhalte solcher Regeln können sein: Mit welchen Themen sich das Netzwerk auseinander setzen will, wann uns wie regelmäßig Treffen stattfinden sollen, über welche Medien man kommunizieren möchte etc. Erst wenn sich die Menschen gut kennen und sich vertrauen, die ersten Kämpfe ausgefochten sind und sich die Mitglieder auf Spielregeln verständigt haben, funktioniert der Wissensaustausch, Datenbanken entstehen und die Arbeit wird kreativ und macht Spaß.

m&w: Frau Brühl, wie sieht Ihre Arbeit konkret in der Praxis aus? Lässt sich die Initiierung eines Wissensnetzwerkes auch an einem konkreten Beispiel dokumentieren?

Johanna Brühl: Die Mitglieder unseres Netzwerks „Großgruppenmoderation“ treffen sich an zwei Wochenenden im Jahr und tauschen ihre Erfahrungen aus. Die Veranstaltungen geben die Möglichkeit des Netzwerkens, beinhalten eine Theoretischen Input und auch einen Eventanteil. Dies kann entweder eine Wanderung, eine Teamübung oder ein künstlerisches Event sein. Auf diese Weise entstand zum Beispiel ein „move-your-vision- Rapp“ und der Slogan „move-your-vision“. Neue Mitglieder lernen schnell den Verein und dessen Mitglieder kennen und es entsteht eine Atmosphäre des Vertrauens. Die Veranstaltung wird von den eigenen Mitgliedern konzipiert und moderiert. Bisher hat sich immer ein Organisationsteam von zwei bis drei Mitgliedern gefunden, die dann eigenverantwortlich das Treffen planen und durchführen. Es entstehen dabei nur Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Die Dozenten kommen aus den eigenen Reihen und erhalten keine Aufwandsentschädigung. Auf diese Weise ist jeder einmal Wissensnehmer und einmal Wissensgebern.

Weitere Informationen: www.move-your-vision.de