Fünf Jahre WandelBar – Wie aus einer Idee ein Lernort für Lippstadt wird
Es begann mit einer Idee – oder besser gesagt: mit einer Sehnsucht. Einer Sehnsucht nach mehr Sinn, mehr Verbindung, mehr Zukunftsfähigkeit. Ich wollte nicht mehr nur zusehen, wie unsere Gesellschaft auf eine ökologische und soziale Krise zusteuert. Ich wollte aktiv werden. Und so begann meine Reise mit der WandelBar – einem Ort, an dem der Wandel greifbar, diskutierbar und gestaltbar wird.
Damals, im Frühjahr 2020, war die Welt durch Corona ausgebremst. Vieles stand still – aber in mir begann es zu arbeiten. Ich startete erste virtuelle Treffen mit Menschen, die ähnlich dachten wie ich: Menschen, die Lust hatten, über Zukunft, Transformation und neue Formen des Wirtschaftens nachzudenken. Die Szenarien des Zukunftsinstituts und das Modell von Frithjof Bergmann („Was will ich wirklich, wirklich?“) inspirierten uns. Diese Gespräche gaben mir Mut – denn sie zeigten, dass Wandel möglich ist, wenn wir ihn gemeinsam angehen.

Die WandelBar wurde mein erstes konkretes Projekt auf diesem Weg. Zunächst virtuell, als digitaler Raum auf iRooms. Doch bald wurde klar: Wir brauchen echte Orte der Begegnung. Orte, an denen wir uns in die Augen schauen, Ideen spinnen, Projekte anstoßen können.
Vom Denken ins Handeln
Die ersten WandelBar-Treffen im September 2020 waren eine bunte Mischung aus Austausch, Theorie und viel gemeinsamer Neugier. Wir beschäftigten uns mit dem 4-Quadranten-Modell von Ken Wilber, der Theorie U von Otto Scharmer und Methoden aus dem Design Thinking. Unser Ziel war es, einen Transformationsprozess für Lippstadt zu entwickeln – von unten, partizipativ, kreativ. Wir wussten nicht genau, wie das gehen sollte. Aber wir wussten, warum wir es wollten. Den ersten gemeinsame Ort hatten wir während der Corona Phase noch bei der INI. Dort wollten wir bald eine Velo- Kitchen eröffnen, aber Corona bremste uns aus und danach war der Raum nicht mehr zu haben. Deshalb gab im Winter 2021 eine Durststrecke. Eine Zeit wo fast nichts mehr denkbar war.
Einer der schönsten Momente dieser Anfangszeit war deshalb für mich, als wir endlich einen physischen Raum fanden: die Mensa des Ostendorfgymnasiums mitten in der Stadt. Es wurde unser Ort der Veränderung als Raum für den gesellschaftlichen Wandel. Hier begannen wir, regelmäßig Themenabende zu veranstalten: über Tiny Houses, Food Coops, klimagerechtes Reisen, Postwachstum, EU-Bürgerräte. Immer wieder Mittwochabend, immer wieder mit neugierigen, engagierten Menschen aus Lippstadt. Die damalige erste Community of practice löste sich dann zwar auf, aber viele kommen seither am 1. Mittwoch des Monats zu unseren WandelBar Themenabenden.
Manche Abende waren gut besucht, andere klein und fein. Aber das Wichtigste war: Wir blieben dran. Monat für Monat. Wandel braucht Kontinuität und Mut zur Lücke.
Kleine Orte, große Wirkung
Besonders bewegt hat mich unser erstes Ladenlokal „WandelBar im Friseursalon“ – nicht nur wegen der Location, sondern weil sich hier zeigte, wie niedrigschwellig und offen die WandelBar sein kann. Menschen kamen vorbei, blieben stehen, kamen ins Gespräch. Wir machten sichtbar, worum es geht: Nicht um perfekte Lösungen, sondern um das gemeinsame Beginnen.
Unser 40. Themenabend war ein Spaziergang durch Lippstadt – ein Wandelgang zu kritischen Orten der Klimaanpassung. Zwölf Menschen nahmen teil, schauten genau hin, stellten Fragen: Reichen die Maßnahmen der Stadt aus? Was braucht es noch, damit unsere Stadt klimaresilient wird? Es war ein stiller, aber kraftvoller Abend. Denn draußen,
mitten in der Realität, wurde uns einmal mehr klar: Wandel beginnt mit dem Hinschauen.
Rückblick mit Stolz, Ausblick mit Vision
Fünf Jahre WandelBar. Fünf Jahre voller Gespräche, Zweifel, Inspirationen, kleiner und großer Erfolge. Ja, es war nicht immer leicht. Manchmal mussten wir wieder neu anfangen. Aber auch diese schwierige Phase habe ich gemeistert.
Heute ist die WandelBar, als Lernort, ein fester Bestandteil des Klimanetzwerks in Lippstadt. Wir sind Teil einer wachsenden Community, die sich mit Herz und Verstand für eine sozial-ökologische Transformation einsetzt. Wir bringen Themen in die Stadt, vernetzen Engagierte, entwickeln Ideen – und setzen sie Schritt für Schritt um. Manches dauert länger, manches geht schneller als gedacht. Aber wir sind unterwegs.
Unsere Vision ist klar: Lippstadt soll nicht nur klimaneutral werden, sondern auch gerechter, gemeinschaftlicher, lebenswerter. Wir wollen Suffizienz erlebbar machen, Emotionen und soziale Normen in den Wandel einbeziehen und zeigen: Jeder Mensch kann etwas beitragen. Es braucht keine großen Heldentaten – aber es braucht Menschen, die anfangen.
Fazit: Jede Bewegung beginnt mit einer Idee
Wenn ich auf die letzten fünf Jahre zurückblicke, sehe ich vor allem eines: Wie viel Kraft in einer Vision steckt. Und wie viel entstehen kann, wenn Menschen sich zusammentun. Die WandelBar ist dafür ein gutes Beispiel. Sie ist unser aller Raum für Veränderung. Ein Ort, an dem wir Zukunft denken, fühlen und gestalten.
Ich wünsche mir, dass noch viele weitere WandelBar-Abende folgen. Dass noch mehr Menschen sich eingeladen fühlen mitzumachen. Denn: Die Zukunft wartet nicht. Und niemand wird sie für uns gestalten, wenn wir es nicht selbst tun.
Ich freu mich auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen.
Jeden 1. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr in der Mensa des Ostendorfgymnasiums.
