Von der Natur lernen am Beispiel der Lippe

Von der Natur lernen am Beispiel der Lippe

Heute stehen wir vor einer der größten Herausforderungen der Menschheit. Wir müssen unser Verhalten und die Einstellungen ändern, damit der Klimawandel die Erde nicht zu einem für Menschen lebensfeindlichen Raum macht. Diese Krise enthält eine enorme Chance für die Menschheit, denn wenn wir es als Weltbevölkerung schaffen, mit dieser Krise umzugehen und einen Wendepunkt herbeiführen können, dann wäre das eine beachtliche Leistung. Die Welt wäre dann wahrscheinlich eine kooperativere und nachhaltigere Welt und die Gemeinschaft hätte einen hohen Stellenwert. Es gäbe vielleicht nicht mehr den BiP (Bruttoinlandsprodukt) um die Leistungen der Länder vergleichbar zu machen, sondern so etwas wie ein Wohlstandsmesser, der auch die Gesundheit, die Bildung, die Gemeinschaft und das Engagement, die Umwelt, die Sicherheit und die Zufriedenheit der Bürger misst.

Die Jugend macht es uns schon mal mit dem Fridays for Future vor, indem sie in 100 Ländern gleichzeitig für eine gemeinsame Sache auf die Straße geht. Unterstützt werden sie von 20.000 Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und auch Parents for Future stehen den Schülern zur Seite. Die GLS Bank hat eine Peer-to-Peer Plattform eingerichtet, auf die man einzahlen kann, damit Schüler ihre Bußgelder, nicht selbst zahlen müssen, wenn sie für die gemeinsame Sache demonstrieren. Es sind schon 25.502 € zusammen gekommen.

So viele Menschen wollen die Energiewende, damit die Natur sich wieder erholen kann, wenn jeder seinen Anteil bringt, müsste es doch möglich sein.

Diejenigen, die das nicht wollen, denken vielleicht, die schlimmen Folgen nicht mehr zu erleben oder haben keine Vorstellung davon, wie die Natur sich wieder reparieren könnte. Sie bezweifeln einfach mal, dass die Krise vom Menschen selbst verursacht wurde. Für diejenigen, denen die Phantasie fehlt, schreibe ich diesen Artikel.

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Ich lebe seit Anfang 1990 in Lippstadt und habe nun fast 30 Jahre Lipperenaturierung mitbekommen.  Was in der Zwischenzeit gelungen ist, ist phantastisch. mehr Infos

In diesem Jahr ist die Lippe zum Fluss des Jahres 2018/2019 geworden und heute Abend kommt ein Naturfilm im WDR, der zeigt, was alles möglich geworden ist.

Die Lippe ist mit 220 km der längste Fluss in NRW und insgesamt wird die Renaturierung bis zu 300 Millionen € kosten, die das Land trägt. Aber wie man sieht, lohnt sich die Investition.

Es gibt viele Metaphern, die rund um die Lippe hergestellt werden können,

da macht man sich z.B.

  • auf, zu neuen Ufern
  • der Fluß verbindet
  • von der Natur lernen
  • alles fließt
  • Alles im Fluß
  • zurück zur Natur
  • gemeinsam an der Lippe

Ich habe bereits Outdoortrainings auf der Lippe gemacht, um Teams zu formen und auch für die Persönlichkeitsentwicklung kann man den Fluß sehr gut als Metapher heranziehen. Der Fluß ist für mich Energiequelle geworden. Sein rauschen begleitet mich Tag und Nacht.

Wir brauchen mehr „Lippe Bekenntnisse“, so wie dieses. Die Lippe kann begeistern.

Wenn Menschen eine gemeinsame Vision haben, dann ist vieles möglich. Uns fehlt nur die motivierende Vision eines Zusammenlebens, in der die Menschen gut versorgt sind und glücklich miteinander lebt. Der Kapitalismus ist so wie der Kommunismus gescheitert. Wir sollten vielleicht mehr von der Hirnforschung lernen, wenn es um die Bewältigung dieser Krise geht. Wo ist die Vision von der künftigen Welt auf der wir ohne Kriege leben werden. In der wir die Ressourcen gemeinsam schonen und nachhaltig wirtschaften, in der wir alle mit weniger glücklicher leben können. Wenn wir es schaffen, gemeinsam diese Vision zu entwickeln, dann schaffen wir auch den Weg aus der Krise.

Lasst Euch heute Abend vom Naturfilm inspirieren. Wer an der Lippe wohnt, braucht nicht mehr ins Ausland zu fahren, um Natur zu erleben. Wir haben einen Schatz in Lippstadt, der sich jedes Jahr noch vergrößert, dadurch dass seltene Vögel, Fische und Pflanzen wieder zur Lippe kommen. Im letzten Jahr habe ich einen Eisvogel in Lippstadt gesehen. Biber, Störche und Graureiher sind auch schon wieder hier.

Wer Lust hat einen Spaziergang in Lippstadt an der Lippe zu machen, dem empfehle ich meinen Wandelgang. Die Digiwalk App hilft bei der Navigation und die 12 Stationen sind gleichzeitig eine Reise zu sich selbst. Natur, Kunst, Sehenswürdigkeiten und Meditation  laden zur Reflexion ein. Viel Spaß in Lippstadt an der Lippe.

https://www.digiwalk.de/walks/wandelgang-lippstadt/de

 

Glücklich arbeiten

Glücklich arbeiten

Schon seit Jahren beschäftige ich mich auch mit der Frage, wann macht arbeiten Spaß und wie können wir Rahmenbedingungen schaffen, damit ich gesund und glücklich bleibe bei der Arbeit. Gibt es vielleicht Tricks, wie man mit schwierigen Situationen umgeht, oder wie man sich selbst immer wieder motivieren kann. Wie man mit Niederlagen umgeht? Wie man resilient wird?

Hier eine kleine Auswahl mit den Themen, die mich dabei beschäftigt haben.

Glücklich arbeiten

Nachdem ich im letzten Jahr eine Krebserkrankung verarbeiten musste,  ist dieses Thema wieder in den Vordergrund getreten. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, an meinen alten Arbeitsplatz zurückkehren zu müssen und fing an mir vorzustellen, wie ich künftig arbeiten will. Es sollte ein Raum sein, in dem ich Menschen treffe, die sich gegenseitig in der Weiterentwicklung unterstützen.

Als Netzwerkentwicklerin aus Leidenschaft geht es mir darum, Menschen zusammenzubringen, die eine positive Beziehung aufbauen wollen und optimistisch an Probleme herangehen und Lösungen gemeinsam finden. Dabei kann jeder natürlich sein eigenes Ziel vor Augen haben, aber es muss ein größeres, gemeinsames Ziel geben, dass wir als Gemeinschaft erreichen wollen.

Bei meinem ersten Working out loud Circle habe ich solche Menschen kennen gelernt und in meinem zweiten Circle ist es wieder so. So ein Raum kann also auch virtuell sein. Bei meinem zweiten WOL Circle gibt es einen iRoom, wir haben also das Gefühl, dass wir 6  wirklich in einen Raum arbeiten.

Was braucht man um glücklich zu arbeiten.

1. Gemeinschaft

2. Freiheit

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Brainstorming mit Bärbel Röpke- Steighorst und Rainer Pivit von Lust auf Zukunft

Ich denke, um glücklich zu sein, brauche ich andere Menschen und am besten eine Gemeinschaft mit gemeinsamen Werten. Es ist nicht so, dass ich mich in der Gemeinschaft unterordnen muss und unfrei bin, sondern die Gemeinschaft hilft mir, mein Potential zu entfalten. So beschreibt es Gerald Hüther auch in seinem neuen Buch: Wie Träume wahr werden.

Hier ein inspirierendes Video zum Thema Glücklich arbeiten mit Maike van den Boom:

Hier mein Mindmap zum Video:

Mindmap Glücklich arbeiten

Momentan arbeite ich an einem Konzept für einen Co Working Raum in Lippstadt. Wer sich vorstellen kann, mit mir diesen Co Working Raum zu gestalten, den lade ich gerne dazu ein. Es geht mir dabei vor allem darum, wie können wir eine Gemeinschaft werden, die sich gegenseitig unterstützt und glücklich miteinander arbeitet.

 

Die Therapie nach der Operation

Die Therapie nach der Operation

und so ging es weiter nach der Diagnose Sarkom 

Welche Therapien ich nach der Diagnose und der Operation bekommen habe, ist Inhalt dieses Blogartikels.

Januar 18

Am 08. Januar wurde ich in Münster am rechten Oberschenkel operiert. In 50 min. wurde der Tumor entnommen.  3 Tage durfte ich nun nicht aufstehen, damit sich kein Hämatom in dem großen Hohlraum bildet. 3 Tage in denen ich kaum schlafen konnte, da meine Bettnachbarin starke Schmerzen hatte und ich deshalb nachts  in Dauerschleife meditierte.

Was ich in diesen Tagen gelernt habe ist Geduld haben, Ruhe bewahren, Hoffnung haben, Schmerzen ertragen und dankbar sein.

Am 17.01. hatte ich dann den Befund bekommen und die weiteren Therapien wurde bekannt gegeben. Die gute Nachricht war, der Tumor wurde gänzlich entnommen, die schlechte Nachricht,  aufgrund der Größe des Tumors wurde nicht nur eine Strahlentherapie, sondern auch Chemotherapien empfohlen. Diese Therapieform nennt man Sandwichtherapie, denn der Strahlentherapie sind Chemotherapien vor- und nachgelagert.

Wenn ich vor etwas Angst hatte, dann war es die Chemotherapie und deren Nebenwirkungen. Die Angst war also mein Begleiter und durchaus berechtigt.

IMG_7158Am 29.01. ging es zur 1. Chemotherapie. Es wurde ein Zentraler Venenkatheter (ZVK) am Hals gelegt. Dafür wurde unter örtlicher Betäubung ein 20 cm langer Schlauch durch die Venen Richtung Herz geschoben. Über diesen Schlauch bekam ich die nächsten Tage die Medikamente, die alle schnellwachsenden Zellen abtöten sollten.

Der Chefarzt verkündete mir, dass ich nicht nur 2 Chemotherapien bekommen werde, sondern 4 Chemotherapien. 2 vor der Strahlentherapie und 2 danach. Ich wußte noch nicht einmal, ob ich eine überstehe würde. Der Berg der sich vor mir auftürmte, wurde immer höher.

In dieser Situation hatte ich das erste Mal Kontakt mit einer Psychologin. Ich erzählte ihr, dass ich denke zu wissen, weshalb ich den Tumor bekommen habe und ich mir Vorwürfe mache. Sie nahm mir das Gefühl, Schuld an der Krankheit zu sein und bewirkte eine Einstellungsänderung gegenüber der Chemotherapie. Sie sagt mir: „Die Chemotherapie ist Ihr Freund.“ Sie erklärte mir, dass die Krankheit eine Laune der Natur ist. Es ist eine Mutation des Bindegewebes, das nicht durch das Immunsystem beeinflußt werden kann. Mein Immunsystem hätte die bösartigen Krebszellen nicht als solche erkennen können.

Februar 2018

Meine erste Chemotherapie habe ich einigermaßen gut überstanden, da ich schwer beschäftigt war. Meine Mitpatientin, eine 32 jährige Frau hatte eine Chemotherapie bekommen, damit sie ihre eigenen Stammzellen wieder transplantiert bekommen konnte. Dadurch sollte die MS gestoppt werden, indem man so etwas wie ein Reset der Zellen durchführte. Das Zimmer in dem wir lagen, war abgedunkelt, eine zusätzliche Lüftungsanlage sorgte für keimfreie Luft und auch sonst wurde alles getan, damit sie keine Infektion bekommen würde. Mundschutz, Schutzkleidung, Abstand halten. Meine Bettnachbarin hatte es nicht leicht. Sie hatte Hitzeschübe, Schmerzen, Übelkeit – das volle Programm und niemanden, der sie mal in den Arm nahm oder Händchen hielt.

Ich hatte mir für die Chemotherapie meinen Glücksbringer eingesteckt. Es ist ein rotes Herz mit der Aufschrift „Ich bin“ und auf der anderen Seite „Sein“. Diesen Glücksbringer haben die Movies (mein Netzwerk der Großgruppenmoderatoren) auf dem Netzwerktreffen zum Thema Spirial Dynamics bekommen. Dörte hat uns beigebracht wie wichtig Berührung ist, damit Energie wieder fließen kann. Wir hatten gelernt uns selbst zu strömen.

Ich versuchte es zuerst mit Gedankenübertragung und schickte also positive Gedanken  zu meiner Bettnachbarin. „Du schaffst das!“ Aber das reichte nicht.
Irgendwann fasste ich all meinen Mut zusammen und fragte sie, ob sie ein Problem hat, wenn sie jemand berührt. Ich kannte mittlerweile ihre Krankengeschichte und dass sie auf den Rollstuhl angewiesen war und dass sie in einem Bein ein Taubheitsgefühl hat. Meine Bettnachbarin meinte, dass sie keine Berührungsängste hätte und so erzählte ich ihr, wie wichtig der Körperkontakt ist, damit Energie wieder durch den Körper fließen kann. Ich fragte sie, ob ich es bei ihr einmal ausprobieren könnte und so kam ich etwas unvorbereitet zu meiner ersten Anwendung. Ich legte ihr meine Hand auf das Bettlaken in Höhe ihres Unterschenkels. Wir unterhielten uns weiter und ich merkte, dass meine Hand anfing extrem warm zu werden. Sie merkte die Wärme auch und beruhigte sich so sehr, dass sie kurzzeitig erschöpft einschlief. Dann lächelte sie und meinte: „Du kommst mir vor, wie ein Engel.“ Sie hatte sich schon lange nicht mehr so gut entspannen können und spürte sogar ihr taubes Bein wieder.

Nach einiger Zeit wurde die Übelkeit jedoch wieder so schlimm, dass wir die Ärzte holen mussten.

Für mich war es eine unglaubliche Erfahrung.

Meine eigene Chemotherapie hatte ich IMG_7520zeitweise fast vergessen, da ich so mit meiner Mitpatientin beschäftigt war. Aber auch ich hatte Übelkeitsanfälle und vor allem hatte ich Halluzinationen. Die Sprinkleranlagen wurden zu fliegenden Vögeln an der Decke, die ich auch ständig doppelt sah und ich hatte Kreislauf- und Magenprobleme und die Nase lief ständig. Für alle Symptome gab es Gegenmedikamente und so wuchs der Infusionsständer immer mehr. Es wurden mehrere Medikamente gleichzeitig gegeben, damit man die Strapazen aushalten konnte.

Immer wenn das Essen kam, kam die Übelkeit. Ich konnte den Geruch von Essen nicht ertragen. Deshalb ließ ich das Essen unberührt und wollte eigentlich nur noch einen Apfel essen. Den gab es aber gerade nicht. Umso mehr freute ich mich, als eine Pflegerin mir diesen Wunsch erfüllte.

Ich war 5 Tage im Krankenhaus und hatte nicht abgenommen, da ich derart mit Wasser vollgepumpt wurde, damit die Nieren wegen der Chemotherapie nicht schlapp machen. Nachts konnte ich nicht schlafen, da ich Bauchschläfer bin und mit dem ganzen Schlauchgedöns nicht auf dem Bauch liegen konnte und außerdem mußte ich alle 2 Stunden auf Toilette. 6 Liter Wasser auf 24 Stunden sind einfach zu viel.

Zu Hause ließ die Übelkeit schnell wieder nach und ich feierte die Mahlzeiten. Ich war so glücklich wieder essen zu können und erfreute mich am Sonnenschein auf dem Frühstückstisch. Eine Woche in der Dunkelkammer und am Tropf gefesselt ist schon heftig.

Meine Konzentration galt auch nach der Chemotherapie vor allem meinem Körper, denn ungefähr eine Woche nach der Chemotherapie sinken die lebenswichtigen Blutwerte wie Leukozyten, Hb – Wert und Thrombozyten in den Keller. Wenn die Leukozyten unter 1000 gehen, sollte man Veranstaltungen meiden, da die Infektionsgefahr zu groß ist. Dann wird jeden Tag Blut abgenommen und es gibt Aufbauspritzen, bis man wieder unter Leute darf. Der Hb Wert ist wichtig für die Sauerstoffsättigung des Bluts. Wenn dieser Wert sehr niedrig ist, dann kann man fast nicht mehr aufstehen, ohne Kreislaufprobleme zu bekommen und ist ständig erschöpft.

IMG_7174Nach ungefähr 2 Wochen fangen die Haare an auszufallen. Erst hatte ich gehofft, dass ich zu der seltenen Spezies gehöre, die die Haare nicht verliert. Soll es auch geben. Aber meine Haare fielen aus und ich war gänzlich unvorbereitet. Nach 3 Tagen Haarausfall bin ich zur Friseurin gegangen und habe sie gebeten, dass sie mir die Haare abschneidet. Ich habe mir eine Perücke bestellt, damit ich mir nicht vorkomme wie ein Zombie. Haare scheinen irgendwie wichtig für die eigene Identität zu sein. Ich konnte mich zuerst gar nicht erkennen im Spiegel, ganz ohne Haare.

Mein Mann hatte mir die letzten Haare dann auch noch wegrasiert, da es einfach zuIMG_7256 viele kahle Stellen auf meinem Kopf gab.

Kaum war ich wieder einigermaßen auf den Beinen kam die zweite Chemo und diesmal war sie wesentlich schwieriger zu ertragen als beim ersten Mal. Meine Blutwerte waren schon im Krankenhaus so schlecht geworden, dass ich eine Aufbauspritze brauchte.

Blöderweise hatte mein Mann zu dieser Zeit selbst einen Infekt, so dass es für uns beide sehr schwierig war. Wir schliefen in getrennten Schlafzimmern und vermieden den Körperkontakt.

In dieser schlimmen Zeit, halfen mir meine Freundinnen aus dem Frauennetzwerk durch kleine Aufheiterungen. Geschenke vor der Haustür, Cappuccino trinken auf dem Rathausplatz und viele What´s apps.

Mein Lernfazit für Februar:

Das Glück liegt in den kleinen Dingen des Lebens. Erst wenn man sie nicht mehr hat, erkennt man deren Bedeutung. Das Wichtigste im Leben sind liebe Menschen, die einen in den Arm nehmen, wenn man es braucht.

März 18

Am 02.03. war Frauennetzwerktreffen. Ich moderiere die Veranstaltungen seit 2007 und hatte noch kein einziges Mal gefehlt. Ich fühlte mich unwahrscheinlich schwach, aber ich wollte unbedingt einen Strauß an unsere Sprecherin überreichen, da ich es versäumt hatte, sie zu unserem 10 Jährigen zu ehren. Ich fuhr also Mittags einen schönen Blumenstrauß besorgen und war danach eigentlich schon für den Tag erschöpft. Ich merkte, dass meine Blutwerte wieder ziemlich schlecht waren und ich eigentlich nicht unter Leute sollte. Trotzdem beschloss ich, den Blumenstrauß zu überreichen. Mein Mann fuhr mich zur Veranstaltung und wartete, dass ich wieder zurückkam. Ich nahm keinen in den Arm und gab niemanden die Hand. Ich zeigte mich nur mit meiner Perücke und stellte mich den Fragen, die meine Netzwerkerinnen an mich hatten und übergab natürlich den Blumenstrauß mit einigen Worten. Die Überraschung war groß und ich freute mich, dass sie gelungen war. Unsere Sprecherin vom Frauennetzwerk hat sich sehr darüber gefreut.

Am Morgen danach waren meine Leukozyten bei 250 und deshalb gab es auch gleich wieder Aufbauspritzen. In den kommenden Tagen bekam ich Fieber und mein Kreislauf lief wieder Amok, dazu kam Übelkeit und Schlaflosigkeit. Ein Tag vor meinem Geburtstag ging dann gar nichts mehr. Das Fiber war über 38 Grad gestiegen und das hieß dann, dass ich sofort ins Krankenhaus mußte. Es herrschte gerade die Grippewelle in Lippstadt und ich mußte isoliert werden. Es dauerte also 4 Stunden, bis das Krankenhaus das Problem gelöst hatte, denn Patienten mussten umgebettet werden, damit ich ein Einzelzimmer bekommen konnte. Mir ging es so richtig schlecht und ich war froh, dass ich unter ärztlicher Beobachtung stand.

An meinem Geburtstag wurde ich reich beschenkt!

Es fing an mit einer Nachricht von Dörte, die für mich eine persönliche Heilmeditation8cf65776-6d23-47a5-9d70-07c6de6adbb8 aufgenommen hatte. Kaum hatte ich die Meditation angefangen, kam die Krankenschwester herein und fragte mich, ob ich etwas dagegen hätte, das Zimmer zu räumen, damit ich in ein kleineres Zimmer könnte. Ich hatte ein 4 Bett Zimmer für mich alleine. Ich hatte natürlich nichts dagegen und ließ mich mit meinem Bett über lange Flure schieben. Zuletzt kam ich in einem Zimmer an, das eine 4 türige Balkontür  zu einem riesigen Balkon hatte und aussah als wäre es ein Hotelzimmer. Ein Geschenk des Himmels – ich bin absoluter Sonnenanbeter!

Außerdem bekam ich von meinem Mann ein Brompton Faltrad, dass ich mir schon lange gewünscht hatte und mich nicht getraut hatte es zu sagen. Mein Mann hatte es in Münster besorgt und freute sich schon es mir zu schenken.

Am Geburtstagsabend bekam ich meine erste Bluttransfusion und danach ging es dann auch bergauf. Nach 4 Tagen und einer weiteren Bluttransfusion konnte ich schon wieder entlassen werden.

Zu Hause wartete schon das Brompton auf mich und ich machte mich sofort daran es auseinander- und zusammenzubauen. Das Brompton hatte ich mir gewünscht, damit ich künftig noch mehr die Bahn nutzen kann und dann in den Städten flexibel bin. Dies sollte für die nächsten 2 Monate in Münster getestet werden.

Chancen muss man ergreifen!

Aber vorher kam noch eine andere Baustelle auf uns zu und zwar der  Kauf einer Eigentumswohnung mit Aufzug und 135 qm  Wohnfläche auf einer Ebene. Am 15.03. hatte ich unsere Traumwohnung auf der Immowelt gesehen. Es war wirklich eine Wohnung in dem Haus, an dem wir noch im Januar vorbeigegangen waren und bei dem wir gesagt hatten, hier würden wir auch gerne wohnen. Also redete ich mit meinem Mann, machte einen Termin beim Makler aus und besichtigte am 20.03. diese Wohnung. Sie gefiel uns von Anfang an. Am 21.03. machten wir eine Zusage beim Makler und am 28.03. war der Notartermin. Wir waren echt mutig, denn wir mußten jetzt noch unser Haus entrümpeln und verkaufen und das alles, obwohl es mir so richtig dreckig ging. Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Herausforderungen.

April/Mai 18

Vom 22.3. bis zum 22.05. bin ich werktäglich nach Münster mit der Bahn gefahren und IMG_7343dann mit dem Brompton vom Bahnhof zum UKM. So kam ich auf 40 min. Fahrradfahren am Tag und ich war täglich 4 Stunden mit diesem Programm beschäftigt. Es fühlte sich so ein wenig nach Arbeit an. Morgens aufstehen, arbeiten gehen und mittags wieder zu Hause sein. Anfangs war es schon ziemlich anstrengend, aber ich wurde bald fit und das Wetter wurde immer besser. Ich habe diese Zeit ziemlich genossen. Die Strahlentherapie habe ich gut vertragen.IMG_7317

Natürlich reagierte die Haut auf die Strahlentherapie, immerhin habe ich eine Gesamtdosis von 66,6 Gy abbekommen, aber ich konnte bis zum Schluß jeden Tag Rad fahren und war in der Strahlentherapie-abteilung schon bekannt wie ein bunter Hund. Das ist die mit dem Faltrad.

Mitte April fingen wir an unser Haus herzurichten, damit wir es bald über einen Makler anbieten konnten. In erster Linie mussten wir mal im Keller aufräumen und den Garten auf Vordermann bringen. Es war schon ein seltsames Gefühl, dieses Haus demnächst verlassen zu sollen, gerade weil es im Garten nun so richtig schön wurde und die Blumen überall blühten. Der Mai ist immer der schönste Monat in unserem Garten und zu diesem Termin wollten wir mit den Besichtigungen anfangen.

2 Wochen vor Ende der Strahlentherapie fingen dann die Zahnschmerzen an. Ich ging zu meinem Zahnarzt, der mir eine Füllung ausbesserte, aber die Schmerzen gingen einfach nicht weg. Ich hatte vor Schmerzen schlaflose Nächste und hatte zuletzt IBU 600 genommen, aber trotzdem Schmerzen. Ich ging am Sonntag zum Notdienst und der meinte, dass der Zahn nicht zu retten sei, er müsse rausoperiert werden. Am Montag ging ich dann zum Spezialisten und der fand heraus, dass es nicht nur 1 Zahn sei, der da Schmerzen verursacht, sondern eigentlich 2 Backenzähne und die Weisheitszähne würden die nächste Chemo wohl auch nicht überstehen. So wurden mir auf einmal 4 Zähne herausoperiert. Zum Glück musste ich nach der OP, nicht auch noch nach Münster fahren. Ich hatte einen Tag frei bekommen.

Sport neben der Strahlentherapie ist mein Geheimtipp. Ich hatte das Gefühl, dass ich in kürzester Zeit wieder Kraft und Ausdauer bekommen habe. In den 2 Monaten bin ich auch nur einmal richtig nass geworden und hatte einen kleinen Fahrradunfall. Danach bin ich dann immer mit Helm gefahren. Fahrradfahren in Münster ist schon etwas anderes als in Lippstadt. Die Studenten kennen keine Gnade und keine Bremsen.

Als nun die Strahlentherapie zu Ende war und auch meine Haare wieder langsam anfingen zu wachsen, sollte ich mich also nun wieder zu den nächsten Chemotherapien anmelden. Ich hatte keinen Bock darauf wieder krank zu sein. Mir ging es gerade wieder so gut. Ich habe wirklich lange mit mir gerungen, ob ich mich nochmals den Chemos aussetzen soll. Für mich war dies die eigentliche Krankheit, die mich fertig machte. Mein Mann bat mich nochmals mit dem Chemotherapeuten zu sprechen. Er wollte, dass ich weitermache und nicht jetzt aufgebe.

Ich fuhr also nochmals zu einem Gespräch nach Münster und sprach mit dem Chemotherapeuten, den ich als Sarkomspezialisten in Erinnerung hatten und berichtete ihm von meinen Nebenwirkungen bei der letzten Chemotherapie. Er versprach mir, dass er die Medikamente etwas reduzieren würde, damit ich sie besser vertrage. Ich hatte wohl die Dosis bekommen, bei denen man bei Jugendlichen gute Erfahrungen gemacht hat. Die nächsten 2. Chemos habe ich dann besser vertragen. Mir sind nur noch 2 mal kleine Ecken von den Zähnen abgebrochen. Das mit den Zähnen war echt lästig und hat mir wirklich Sorgen gemacht.

Juni 18

c1a1aefb-f55c-45f1-a61f-593f5ad713f8Die 3. Chemo habe ich etwas besser überstanden, war aber auch danach ziemlich erschöpft und die Blutwerte sanken genauso wie nach den ersten beiden malen. Die Haare waren mittlerweile schon richtig gut nachgewachsen und ich bekam schon Komplimente für meine schicke Frisur. Aber ich wußte ja, dass sie bald wieder ausfallen würden. Ich bat also meinen Mann einmal ein schönes Foto von mir zu machen, damit ich es für die sozialen Netzwerke nutzen konnte, denn das alte Bild mit den langen Haaren konnte ich mir nicht mehr ansehen.

Wir machten immer noch Besichtigungen durch unser Haus und waren ständig damit beschäftigt alles aufzuräumen. Langsam machten wir uns sorgen, ob wir das Haus noch pünktlich verkauft könnten. Wir brauchten das Geld bis Ende September. Am 20.06. ist es endlich soweit. Wir bekommen ein Angebot, dass nicht weit unter unseren Vorstellungen liegt. Wir haben es geschafft. Das Haus ist verkauft und die Finanzierung der Wohnung damit gesichert.

Ende Juni fangen die Haare wieder auszufallen. Es war kurz vor dem ersten Kontrolltermin am 25.06. –  ich war ziemlich nervös, da ich in den Tagen vorher erhebliche Beinschmerzen hatte. Das MRT ist ziemlich unangenehm, denn die lauten Töne gehen auf die Nerven und ich hatte Angst in der Röhre Platzangst zu bekommen.
Die Untersuchung dauerte bestimmt so 30 min. und für mich war es anstrengend die Ruhe zu bewahren. Danach fanden die Begutachtungen beim Strahlentherapeuten und beim Orthopäden statt. Ich war erleichtert, dass man keinen Tumor mehr sehen konnte. Der Orthopäde war begeistert von dem Heilungsprozess des Beines. Er meinte, das Bein sieht perfekt aus.

Mir fielen unendliche Lasten von den Schultern, denn natürlich hat man immer mal wieder Zweifel, ob alles überstanden ist.

Juli/ August 18

Anfang Juli war die 4. Chemo überstanden und nun sollte ich also wieder gesund sein. Ich fühlte mich so richtig beschissen, da die Blutwerte wieder richtig schlecht waren, ich aber diesmal eine Depotspritze erhalten hatte und ich jetzt also darauf wartete, dass sie ansprang.

Nun sollte ich also noch eine Aufbau Reha machen und wäre dann wieder gesund. Ich fühlte mich in diesen Tagen so krank, dass ich noch nicht einmal vorstellen konnte, zur Reha Maßnahme fahren zu können. Wie sollte ich die Strecke dorthin schaffen? Mein Mann mußte arbeiten und konnte mich nicht begleiten. Ich konnte eigentlich nur auf dem Liegestuhl liegen und hatte schon Schwierigkeiten beim Aufstehen. Einmal lag ich im Liegestuhl und der Paketbote klingelte an der Tür. Als ich aufstand, merkte ich wie ich einen Kreislaufkollaps bekam und musste sofort meine Füße hochlagern, da ich sonst umgekippt wäre. Es dauerte einfach immer länger, bis ich mich wieder von so einer Chemo erholen konnte.

Am 25.07. begann meine Aufbau Reha in Bad Oexen und es wurde sofort ein Fitnessprogramm für mich aufgestellt. Wassergymnastik, Ausdauertraining, Muskeltraining, Chi Gong, Vorträge, Wanderungen usw.

In der ersten Woche war es so heiß, dass man auch im Zimmer keine Ruhe hatte. Ich war abends einfach nur noch platt. Die Kur dauerte 3 Wochen und ich habe große Fortschritte gemacht. Zum Schluß konnte ich sogar 30 min Walken und wieder 87 Watt auf dem Ergometer treten. Mit diesem Ergebnis war ich sehr zufrieden.

Was ich mir aber immer noch nicht vorstellen konnte, war die Tatsache, dass ich mich dem Stress des Berufes wieder aussetzen könnte. Alleine die Autofahrt von 168 km am Tag, war eine unvorstellbare Hürde. Die Kurärzte schrieben mich also voraussichtlich noch bis Ende Oktober krank, um den guten Gesundheitszustand zu Hause erst einmal zu stabilisieren.

Januar 19

In dieser Woche hatte ich meinen dritten Kontrolltermin und es sieht immer noch gut aus. Es gibt keine Nachweise eines Tumorrezidivs und auch mein bestrahltes Bein mit der großes Narbe ist gut verheilt.  Aber meine Blutwerte sind immer noch schlecht, was vielleicht auch erklärt, warum ich immer noch so schnell erschöpft bin. Mittlerweile bin ich als Beamtin in den vorzeitigen Ruhestand gegangen. In 2 Jahren wird geschaut, ob ich wieder arbeiten kann. Ich möchte die Zeit nutzen, um wieder richtig fit und vor allem wieder stressresistent zu werden. Der Stress an meinem Arbeitsplatz und die Pendelei hat mich zuletzt sehr erschöpft.

Ich habe diesen Artikel geschrieben, damit Leser bei einer ähnlichen Diagnose Mut schöpfen können. Heutzutage gibt es sehr gute Therapieansätze. Die Chefärzte des UKM haben eine gemeinsame Strategie entwickelt und arbeiten Hand in Hand. Ich habe mich dort gut aufgehoben gefühlt.

Meine Lernreise 2018 – Rückblick

Meine Lernreise 2018 – Rückblick

Anfang des Jahres habe ich ja öffentlich gemacht, was ich in diesem Jahr mir alles vorgenommen habe für meine Lernreisen. Jetzt, wo das Jahr fast vorbei ist, möchte ich schauen, was ich alles gelernt habe.

Fangen wir mal mit den einfachen Dingen an.

Ab Januar hatte ich einen Working out loud (WOL) Circle gestartet, um die Methode oder das Trainingsprogramm kennenzulernen und auch präsentieren zu können. Ich beschäftige mich ja schon seit 15 Jahren mit Netzwerken und so hatte ich gehört, dass diese Methode ideal zum Netzwerkaufbau geeignet ist. Unser WOL Circle hat die 12 Wochen durchgehalten und läuft seither in geänderter Formation als WOL Plus Circle oder auch WOL Mastermind Circle weiter. 

Durch das Trainingsprogramm hat sich mein Twitternetzwerk sehr vergrößert und dadurch folge ich relevanten Menschen, die sich zum Thema #NewWork #WOL #SelbstorganiertesLernen #Netzwerk austauschen. Natürlich hat man mittlerweile das Gefühl, dass man sich in einer Bubble befindet, aber diese Bubble wird immer größer. 

Mein Weg zu WOL war ja ein langer. 2003 habe ich mein erstes Netzwerk mitbegründet, das Netzwerk Großgruppenmoderation e.V. (move-your-vision.de), dass vor kurzem seinen 15 Geburtstag feiern konnte. Zu diesem Schritt war ich durch mein Studium der Personalentwicklung gekommen, da ich mich in der Abschlußarbeit intensiv mit Communities of Practice #CoP auseinander gesetzt hatte und es einfach auch einmal in der Praxis testen wollte. Meine Ausbildung zur Großgruppenmoderatorin begann 2001  und endete im Dezember 2002. Ich habe also eine ziemlich lange Erfahrung beim informellen Lernen auf Großveranstaltungen. Meine erste derartige Großveranstaltung war in Oberursel beim Lernforum Großgruppenarbeit in Form eines Open Space im Jahre 2003. Damals war die Methode gerade nach Deutschland geschwappt. Matthias zur Bonsen hat auch die Gründungsmitglieder des Netzwerkes Großgruppenmoderation mit ausgebildet. Außerdem nahm ich an den BDVT Camps teil, da ich über 14 Jahre Mitglied beim BDVT (Bundesverband der Trainer, Berater und Coaches) war. Unser Netzwerk Großgruppenarbeit veranstaltete auch jährlich Netzwerktreffen, die über ein Wochenende ging. Ab 2015 nahm ich zusätzlich an #Wevent des Netzwerkes intrinsify.me teil und ab 2017 begann ich BarCamps zu besuchen und so wurde ich im Bereich der sozialen Netzwerke immer fitter und habe auf diesem Gebiet mittlerweile vieles gelernt ohne es wirklich zu wissen. Dadurch wurde auch Phi (Community Builder) aus der Post- Zentrale in Bonn auf mich aufmerksam und ermutigte mich, WOL einmal auszuprobieren.  Es war also ein langer Prozess. 

2018 stand also unter dem Thema Working out loud und nachdem ich meinen ersten Zirkel beendet hatte, versuche ich die Menschen kennen zu lernen, die hinter diesem Claim stehen. In Deutschland ist das neben Sabine Kluge, vor allem die Mitglieder des ersten öffentlichen Circles mit Harald Schirmer, Simone Dücker, Winfried Felser, Antje Röwe und K.H. Pape. 

IMG_7769Es war für mich ein tolles Erlebnis beim Co Learning Camp viele Mitglieder des öffentlichen WOL Circles persönlich zu Treffen, auch wenn es eine seltsame Situation ist. Durch die 12 Videos hat man das Gefühl, die Person sehr gut zu kennen. Man weiß, wie derjenige tickt, an was er glaubt, welche Werte der Mensch hat. Der Mensch ist einem vertraut und anders herum, weiß die andere Person vielleicht noch nicht einmal, dass man existiert. Jedenfalls hat mich K.H. Pape sehr überzeugt. Er ist ein guter Community – Leader, der genau weiß, dass er den Rahmen zur Verfügung stellt, damit sich das Netzwerk alleine führen kann. Das so etwas in einem so großen Netzwerk möglich ist, hätte ich nicht gedacht. Ich war sehr schwer beeindruckt.

 IMG_7913Im November habe ich dann auch noch den Erfinder der Methode, John Stepper auf dem #WOLC18 getroffen und Phi (von der Deutschen Post DHL) hat mich ihm vorgestellt. Seine Rede beim WOLCamp war sehr beeindruckend und man erkannte, dass er eine Vision hat, die weit mehr als nur das Trainingsprogramm beinhaltet. Es geht um eine Verbesserung der Beziehung in der Arbeitswelt und zu sich selbst. Diese Vision habe ich auch und deshalb beschäftige ich mich ja so intensiv mit dem Thema Gemeinschaft und Netzwerk.

 

 

IMG_7733.jpgNeben WOL gab es dann aber noch andere Dinge, die ich Lernen durfte. So war ich im September auf unserem Netzwerktreffen der Movies und habe die Methode „Soziokratie“ kennengelernt. Dr. Kerstin Schulenburg, die mit dieser Methode Cohousing Projekte in Berlin vorantreibt, brachte uns diese Methode näher. Ich durfte mich als Moderatorin einer offenen Wahl ausprobieren. Eine tolle Erfahrung, wie die Gruppe zu einer Lösung findet, die von allen gemeinsam getragen wird und dies in einer Atmosphäre, die sehr wertschätzend ist.  Die Mitglieder von Move-your-Vision haben mich dabei sehr unterstützt. Es war nach langer Krankheit, die erste Bestätigung, dass ich mich solchen Situationen wieder anvertrauen kann. 

IMG_7834Im Oktober besuchte ich den Mutmachergipfel in Göttingen und ließ mich von Gerald Hüther inspirieren. Er stellte dort sein Buch „Wie Träume wahr werden“ vor und hatte dafür 2 Vertreter des Amateurteam des härtesten Radrennen der Welt, Sven Ole Müller und Nicole Bauer, mitgebracht. Sie erzählten zu dritt, wie sie sich ein Jahr lang auf dieses Rennen vorbereitet haben und was die Erfolgsfaktoren für ihren Rennsieg waren.

IMG_7840Im Kern geht es in dem Buch darum, wie die Menschen in einer Gemeinschaft miteinander umgehen, einander begegnen, einander ermutigen und inspirieren müssen, damit nicht nur der Einzelne, sondern das Team als Ganzes die in ihm angelegten Potentiale entfalten kann. 

Diese Erkenntnisse versuche ich seit nunmehr 11 Jahren auch im Frauennetzwerk Lippstadt umzusetzen. Umso mehr ich loslasse, desto aktiver wird das Netzwerk. In diesem Jahr musste ich zwangsläufig häufig sagen, dass ich keine Verantwortung übernehmen kann, da ich krank bin. Das Netzwerk lief aber auch ohne mich weiter und veranstaltete tolle Events und Projekte. Mich macht es sehr glücklich, dass sich das Frauennetzwerk Lippstadt so toll entwickelt hat. 

Ein großer Lehrmeister war in diesem Jahr aber natürlich das Leben. Durch meine Erkrankung bin ich zur Meditation gekommen. Hier muss ich mich bei meinen beiden Freundinnen Bärbel und Dörte bedanken. Beide haben mich dabei unterstützt und geeignete Meditationen für mich herausgesucht. Durch die tägliche Meditation bin ich gut durch schwierige Situationen gekommen und konnte meinen Geist beruhigen. 

Und dann habe ich mich wieder an die 5 Tibeter erinnert, die ich vor Jahren schon gemacht habe. Diese 5 Yogaübungen mache ich seit etwa 2 Monaten täglich und durch sie habe ich wieder meine alte Beweglichkeit zurückerlangt. Durch die Operation am Oberschenkel war ich sehr eingeschränkt in meiner Beweglichkeit und nun kann ich sagen, dass ich fast wieder den alten Stand erreicht habe. 

IMG_8037Am 12.12. traf ich mich mit Nicola Peschke aus Gütersloh zum Schluß ihrer LearningJourney und wir tauschten uns über unsere Lernreisen aus.
2019 starten wir nun  gemeinsam mit einem neuen WOL Circle.

Bedanken möchte ich mich auch bei meinen Mitstreitern des WOL Circles, bei Holger Moller, Jürgen Olbricht, Julia Steininger und Dorit Schalansky. Ihr habt mich super nicht nur beim Lernen begleitet, sondern auch in der härtesten Zeit meines Leben. 

Mit Holger Moller, Jürgen Olbricht, Vera Püttmann und Jürgen Sapara geht es seit August weiter im WOL Mastermind Circle. Ich freue mich immer schon Tage vorher, wenn wir uns austauschen und erzählen, was wir in der Zwischenzeit schon gelernt und erreicht haben. 

15 Jahre move-your-vision

Vor 15 Jahren haben sich 14 Teilnehmer aus dem Kompetenz Center Großgruppenmoderation der Deutschen Post AG ein Herz gefasst, und einen Verein gegründet. Der Verein heißt Netzwerk Großgruppenmoderation und nennt sich move-your-vision. Die Mitglieder sind die Movies und wir wurden ausgebildet um beteiligungsorientierte Veränderungsprozesse zu moderieren.

Kompetenz-Center
Der Bereichsvorstand Dr. Uwe Rabe (vorne Mitte) dankte dem Kompetenz- Team im Februar 2003 für seinen Einsatz in Sachen Kommunikation. Bildquelle: Malsch

MEDION DIGITAL CAMERA                                          Bildquelle: move-your-vision

Die Gründungsmitglieder des Netzwerkes Großgruppenmoderation e.V. gründen am 12.12.2003 in Königswinter einen Verein. Sie verstanden sich als eine Graswurzelbewegung, die Partizipation vorantreiben will und öffneten sich für alle begeisterten Großgruppenmoderatoren und Veränderungsbegleiter.

Seit 15 Jahren treffen sich die Movies  zu jährlichen Wochenend – Netzwerktreffen und lernen gemeinsam und tauschen sich aus.

Hier ist

  • Fachdiskussion
  • Erfahrungsaustausch
  • Kollegiale Beratung
  • Erprobung und Reflexion
  • Weiterentwicklung von Formaten und Designs

rund um Partizipation und Veränderung möglich.

Mittlerweile sind wir eine bunte Mischung von Menschen und Professionals, die auf die eine oder andere Weise Veränderungsprozesse begleiten. Impulse und Know-How aus Coaching, Training, Moderation, Personalentwicklung, Unternehmensberatung …. bereichern unser Lernnetzwerk.

In den ersten 6 Jahren war ich die Geschäftsstelle der Movies und habe mich um die laufenden Dinge gekümmert.  Seit Aug. 2015 bin ich wieder im Vorstand der Movies und zuständig für die Homepage und somit die Sichtbarkeit nach außen.
www.move-your-vision.de

Schneller Wandel durch die Diagnose Sarkom

Schneller Wandel durch die Diagnose Sarkom

Vor einem Jahr wusste ich noch nicht, dass sich mein Leben völlig umkrempeln würde. Ich hatte eine Teilzeitbeschäftigung bei der Post in Dortmund und meine Tochter begann ihr Studium in Göttingen. Im September hatten wir noch den Umzug gemeinsam gemanagt und jeden Tag skypten wir und lösten die kleinen Probleme des Alltags.

Beruflich lief es gerade gar nicht gut, aber ich hatte schon alles versucht, um an der Situation etwas zu ändern. Es schien aussichtslos. Die Aufmerksamkeit war auf vieles gerichtet, so dass ich nicht merkte, dass sich in meinem Oberschenkel etwas veränderte. Ich merkte es zwar, habe dieser neuen Speckschicht aber keine Aufmerksamkeit gewidmet.  Wird schon wieder weggehen, hatte ich mir gedacht. Erst als ich beim Sport  den unteren Oberschenkel beim Aufsteigen aufs Fahrrad derart verletzt habe, dass ich vor Schmerzen fast vom Fahrrad gefallen bin, konnte ich die körperliche Veränderung nicht mehr ignorieren. Die Schmerzen wurden nicht mehr weniger und deshalb ging ich zum Hausarzt, der mich sofort zum Orthopäden geschickt hat. Nach einer Sonografie stellte man ein Hämatom fest. Dieses Hämatom wurde dann beobachtet. Nach 4 Wochen hatte sich das Hämatom vergrößert und der Orthopäde hatte keine Begründung dafür. Ein MRT Termin bestätigte nochmals die Diagnose – Hämatom – und so wurde ein Operationstermin angesetzt, da das Hämatom immer größer wurde und so langsam die Beweglichkeit einschränkte. Bei jedem Schritt berührten sich die Oberschenkel und die Hosen bekamen schon Löcher, vom vielen aneinander reiben.

Meine erste Operation war also am 12.12.17 und ich wollte bis Weihnachten wieder fit sein, da ich meine Tochter und meine Mutter und Schwiegereltern zu Weihnachten eingeladen hatte. 

Der Arzt stellte schon bei der OP einen Tumor fest, sagte mir aber erst nichts zu seinem Verdacht. Ich ging davon aus, dass das Hämatom entfernt  wurde und da man nicht alles entfernen konnte, eine Gewebeprobe vorsichtshalber zur histologischen Untersuchung eingesandt hat. Am 14.12. dann die Nachricht vom operierenden Arzt. Die Gewebeprobe ist ein hochmaligner pleomorpher Weichteilsarkom. Es handelt sich um einen Sarkom des Bindegewebes – eine sehr seltene Krebsart.

Mein erster Gedanke bei der Übermittlung der Nachricht:

„So schnell stirbt man nicht!“

Bei der Übermittlung der Diagnose war ich äußerlich sehr gefasst. Ich wusste, dass dies heutzutage kein Todesurteil mehr ist, und dass die Forschung hier schon weit fortgeschritten ist. Mein Vater litt 14 Jahre unter seinen Tumoren (Schilddrüsenkrebs und Lungenkrebs) und ist letztendlich daran gestorben. Diese 14 Jahre waren aber noch eine lange Zeit „Leben“ gewesen. Ich versuchte also meinen Verstand zu behalten und ruhig zu bleiben. Die Ärzte organisierten alle Termine im Hintergrund und zum Glück kamen mich gleich nach der Diagnose liebe Freundinnen besuchen und munterten mich auf: „Du schaffst das.“ Auch das zweite MRT am Nachmittag und das CT am Folgetag zeigten zwar den Tumor jetzt deutlich,  aber auch, dass es keine Metastasen gibt. 

Die ersten Versuche über Google herauszufinden, wie schlimm es um mich steht, waren eine Katastrophe.  Ich bekam Angst. Auch meinem Mann erzählte ich sofort von der Diagnose und auch er fing an zu googeln. Diese Zeit war äußerst belastend – auch wenn wir uns gegenseitig halt gegeben haben.

Mein Professor, der mich operiert hat, vermittelte mich an einen Sarkomspezialisten an der Universiätsklinik in Münster.  Dort konnte ich mich zusammen mit meinem Mann am 20.12. in der Notfallsprechstunde vorstellen. Das UKM (Universitätsklinik Münster) ist unvorstellbar groß, eine Medizinfabrik, die mich erst einmal  beängstigte. Wir warteten ziemlich lange, bis der Sarkomspezialist einen Blick auf mein Bein warf. Mit klarem Blick erklärte er uns nun, was zu tun war und versprach uns, dass er meinen Tumor „beinerhaltend“ entfernen wird und ich gute Chancen habe, wieder ganz gesund zu werden. Was bleiben würde, ist eine kleine Delle, denn der Tumor müsste großzügig ausgeschnitten werden.

„beinerhaltend“

Dieses Wort „beinerhaltend“ werde ich nie wieder vergessen. Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, dass ich ein Bein verlieren könnte,  aber es ist wohl durchaus üblich, dass Extremitäten bei einem Sarkom amputiert werden müssen. Wir wohnten damals in einem alten Einfamilienhaus und Treppensteigen gehörte zum Tagesablauf dazu. Die Waschmaschine im Keller, der Wäschekorb im Obergeschoss. Die Treppen haben mich ein Leben lang fit gehalten und nun? Ein Leben im Rollstuhl -nicht denkbar.

Mein Mann war nach diesem Gespräch mit dem Professor erleichtert und war zuversichtlich, dass ich wieder gesund werde. Ich begriff langsam, was alles auf mich zukommen könnte. Nach der OP sollte es auf jeden Fall auch eine Strahlentherapie geben, damit auch wirklich alle Krebszellen absterben würden. Ich war bereit alles mitzumachen, so lange es keine Chemotherapie sein musste.

In diesem Zustand rief ich Dörte Hildebrand an. Ich kenne Dörte schon seit meiner Ausbildung zur Großgruppenmoderatorin im Jahre 2001 und wir haben lange Zeit zusammen den Verein Move-your-Vision geführt. Ich wusste also, dass Dörte die Richtige war, um meine Gedanken zu sortieren und wieder runterkommen zu können. Es ging mir zu dieser Zeit nicht nur darum, die Diagnose zu verdauen, sondern ich wollte für meine Mutter und meine Tochter, die beide an Weihnachten zu mir kommen wollten, die Situation so gestalten, dass sie nicht zusammenbrachen.

Meine Mutter hatte sehr lange mit meinem Vater gelitten und für sie würde mit dem Befund, die ganze Geschichte wieder aufgewühlt. Meine Tochter hatte gerade ihr Studium begonnen und sollte eigentlich über Weihnachten sich erholen können und für die Klausuren lernen können.

Mein erstes Gespräch mit Dörte war also sehr emotional und ich weinte mich über meinen Kummer erst einmal aus. Ich weiß nicht, wie Dörte es geschafft hat, aber sie schaffte es, nicht nur meine eigene Vorgeschichte, die mich krank gemacht hat, herauszufinden,  sondern hatte mit mir auch eine Strategie entwickelt, wie ich Weihnachten überstehen würde. Ich spürte in den Tagen um Weihnachten, dass sie in Gedanken immer bei mir war und das machte mich stark. Es wurde viel geweint und andererseits waren wir uns alle einig, dass wir diese Herausforderung des Lebens gemeinsam meistern werden.

Weihnachten war richtig anstrengend. Was ich nicht bedacht hatte war, dass meine Mutter, die die Krebserkrankung meines Vaters in traumatischer Erinnerung hat, so etwas wie einen Flash bekommen würde.  Sie erzählte die ganze Zeit eigentlich nur davon, wie schlimm das alles für sie damals war und ich hatte das Gefühl, dass ich sie trösten müsse.

Das Leben ist ein Kampf!

Ich war bereit um mein Leben zu kämpfen und fing an zu überlegen, was ich alles machen könnte, um den Krebs wieder los zu werden. So kam ich auch zum Thema Meditation. Ich fing an jeden Tag zu meditieren. Es war eine Morgenmeditation von Dr. Joe Dispenza, die mir von meiner Freundin Bärbel empfohlen wurde. Nach einer kurzen Reise durch den Körper fängt man an, sich eine Zukunft auszumalen und sich vorzustellen, in dieser Zukunft zu leben. In meiner Zukunft war ich gesund und arbeitete als Freelancer, ging zu Veranstaltungen, bloggte darüber und arbeitete mit lieben Kollegen im Co Working Space in Lippstadt. Das fühlt sich für mich immer noch gut an und ich bin meinem Ziel schon näher gekommen.

Am 08.01. war der große Operationstermin. Das war aber erst der Anfang eines langen Prozesses um den Krebs zu besiegen.

Seither hatte ich:

  • 2 Chemotherapien
  • ein weiterer Krankenaufenthalt mit Bluttransfusionen
  • eine Strahlentherapie (2 Monate mit einer Gesamtdosis von 66,6 Gy)
  • nochmals 2 Chemotherapien,
  • eine 3 wöchige Aufbau- Reha,
  • danach der Umzug in eine Eigentumswohnung,
  • weitere 2 Kontrolltermine bei jeweils 3 Ärzten und
  • zum Jahresende die Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit bei der Post.

Aber ich habe diese Zeit auch genutzt um mich neu zu erfinden und viel zu lernen – über das Leben und die Art und Weise, wie ich künftig arbeiten will.

Was ich alles in 2018 erlebt habe, werde ich in weiteren Beiträgen beschreiben.
Hierfür gibt es eine eigene Blogrubrik zum Thema Sarkom.

Da ich schon lange über Veränderungsprozesse und über Krisen als Chance schreibe, kann meine Geschichte vielleicht anderen Menschen Mut machen. Ich möchte hier gerne die Mutmacherin sein.

Das Leben endet nicht durch eine schwere Krankheit, aber es ändert sich die Sichtweise auf das Leben.

Das kann auch schön sein, denn das Glück liegt häufig in den kleinen Dingen des Lebens.

Zukunft gemeinsam gestalten: Agiles Management als Grundlage für bürgerschaftliches Engagement – IdeeQuadrat

Gerne empfehle ich diesen Artikel zum bürgerschaftlichen Engagement in Netzwerken von Hendrik Epe. Das „Wir“ ist wichtiger denn je. Wir können vor Ort vieles bewegen. Das „Wie“ ist aber entscheidend. Deshalb lesen Sie weiter.

Eine kurze Darlegung, warum und wie agiles Management als Grundlage für bürgerschaftliches Engagement dienen kann.
— Weiterlesen ideequadrat.org/agiles-management-als-grundlage-fuer-buergerschaftliches-engagement/