Das Neue entstehen lassen

Wie kommt das Neue auf die Welt? Wie entwickelt sich die Welt nach der Pandemie? Wie müssten wir uns verändern, damit wir die Klimakrise bewältigen?

Diese Fragen beschäftigen mich seit der ersten großen Klimademo in Lippstadt und seit Beginn der Pandemie. Dabei hängen die verschiedenen Krisen, alle voneinander ab. Wenn wir nicht die Lebensräume von wilden Tieren zerstört hätten, dann hätten wir vielleicht jetzt keine Pandemie und die Klimakrise wäre noch nicht so weit fortgeschritten.

Wie aber kann sich der Mensch verändern?

Dieses Thema haben wir beim letzten Wandelgang in der WandelBar diskutiert und es kamen viele Ideen, wie wir es schaffen können uns zu verändern. Wir haben erkannt, dass wir Gleichgesinnte brauchen, damit der persönliche Veränderungsprozess in Gang kommt und Vorbilder, bei denen es schon geklappt hat. Es kam aber auch der Hinweis, dass sich das System verändern muss und die Politik ihre Verantwortung übernehmen muss. Veränderung braucht auch Rahmenbedingungen, damit sie entstehen kann und damit Menschen ins Tun kommen.

Von der Einsicht ins Tun kommen

Die Einsicht haben bestimmt schon viele Menschen, dass sie ihr Leben verändern müssen, aber der Schritt der Umsetzung ist schwierig. Wir sind Wissensriesen, aber Umsetzungszwerge hat schon Thomas Sattelberger gesagt.

Hier einige Schritte, die ich gegangen bin:

2018 haben wir unser freistehendes Einfamilienhaus verkauft und sind bewußt in ein 6 Familienhaus gezogen. Mir war klar, dass die Energiekosten steigen werden und dass man auch fürs Alter vorsorgen muss. Es ist einfacher eine Wohnung warm und in Schuss zu halten, als ein ganzes Haus. 2019 haben wir unser Spaßauto verkauft. Es war ein BMW Z4, der als Zweitwagen, nur noch selten zum Einsatz kam. Ich habe mich schon damals gefragt, ob es vielleicht für solch ein Auto irgendwann keinen Markt mehr gibt.  Ich fahre seither wesentlich mehr Bahn und fast kein Auto mehr. In der Stadt reicht das Fahrrad, sogar für die Einkäufe. Wir haben den Strom unserer Wohnung auf Ökostrom umgestellt und eine BahnCard 50 gekauft. Auch bei den Geldanlagen haben wir in nachhaltige Fonds umgeschichtet.

Bisher haben wir keinen dieser Schritte bereut. Wir haben neue Freiheiten gewonnen.

Ein Hebel bei der Bewältigung der Klimakrise ist das Geld. Wenn Geld Geld erzeugt, dann geht das auf Kosten der Erde. Menschen die durch Algorithmen für einen steigenden oder fallenden Ölpreis sich dumm und dämlich verdienen, geben dieses Geld dann für Dinge aus, die es nicht unendlich gibt, z.B. Wohnraum in der Stadt. Das hält kein Ökosystem lange aus und dann kollabiert es. Wir brauchen daher Regelungen, die die unendliche Geldvermehrung stoppt. Zinsen sind die eine Sache, aber noch viel wichtiger ist es, die Banken neu zu regeln und die Geldvermehrung nur noch dem Gemeinwohl dienen zu lassen. Hier empfehle ich die Lektüre des Buchs Gemeinwohl Ökonomie von Chistian Felber und hier das Kapitel Geld als öffentliches Gut.

Die Konzepte sind alle schon da, wir müssen sie nur gemeinschaftlich umsetzten. Denn es ist nicht okay, reich auf Kosten von anderen und auf Kosten des Planeten zu werden. Wir halten uns heutzutage Sklaven für unseren Konsum. Dieser Konsum macht uns aber auf lange Sicht nicht einmal glücklich, sondern wir selbst versklaven uns dabei. Zeitmanagement bringt uns nicht mehr Lebenszeit, sondern komprimiert unsere Tätigkeiten. Zum Schluß brennen wir aus und haben das Gefühl, nicht gelebt zu haben. Denn wir haben unser eigenes Leben aus dem Blick verloren. 

In der Pandemie haben wir gelernt mit wenig Konsum zufrieden zu sein. Wir sind weniger Auto gefahren, waren nicht shoppen und haben die freie Zeit mit Spaziergängen und Muße verbracht, haben Mahlzeiten zelebriert und uns um unsere Nachbarn und die eigene Community gekümmert. Die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, hat den Menschen 1-2 Stunden Zeit pro Tag geschenkt und die Menschen haben gelernt, trotz der räumlichen Trennung, kooperativ miteinander zu arbeiten. Es gab weniger Schaulaufen und „am Ende des Tages“ zählten die Arbeitsergebnisse und nicht die Anwesenheit. Alle diese Dinge sollten zum neuen Normal werden.

Viele haben für sich die Natur entdeckt. Ich habe beobachtet, wie erwachsene Menschen dicke Bäume umarmen und dabei glücklich aussehen. Mein Mann und ich haben das Hobby Fluß- Radreisen entdeckt. Ich liebe es auf den Fluß zu schauen und den Fluß zu hören. Seit 2017 waren wir schon an der Weser, der Werra, dem Main, im Lahntal und sind den 5 Flüsse- Radweg gefahren und in einer Woche geht es an die Ruhr. Dafür muss man nicht weit reisen, sondern kann direkt von zu Hause mit dem Rad losfahren.  Manche machen sich darüber lustig, aber für uns ist es ein schönes, gemeinsames Hobby geworden. Klimaneutral und sehr gesund.

Welche Zukunft wollen wir haben?

Matthias Horx vom Zukunftsinstitut hat schon zu Beginn der Pandemie 4 Zukunftsszenarien entwickelt und veröffentlicht. Er schaut auf die Qualität der Beziehungen und auf die räumliche Ausrichtung.

Studie: Die Welt nach Corona – Zukunftsinstitut GmbH

Die 4 Szenarien heißen

  • Szenario 1: Die totale Isolation
  • Szenario 2: System-Crash
  • Szenario 3: Neo-Tribes
  • Szenario 4: Adaption

Das Szenario „Adaption“ beschreibt die resiliente Gesellschaft, die es schafft sich anzupassen. Die Gesellschaft geht gestärkt aus der Krise hervor und kann flexibel auf Veränderungen reagieren. Die Sinnfrage nach dem Zweck des Wirtschaftens hat uns zur Gemeinwohl Ökonomie geführt. Wir haben die Krise gemeinsam bewältigt und die Menschheit von der Corona- Pandemie befreit. Für mich eine Blaupause für die Klimakrise. Die Pandemie war eine Übung, um die Klima- und die Biodiversitätskrise zu bewältigen. Aus der Pandemiebewältigung können wir für die Klimakrise lernen.

Auch das ScMI Institut aus Paderborn hat insgesamt 8 Post-Corona Szenarien aufgestellt und erarbeitet und diskutiert die Szenarien laufend mit unterschiedlichen Gruppen. Auch diese Szenarien wurden in einer Matrix dargestellt und erläutert.

Quelle: ScMI AG – Post Corona Szenarien

Das ScMI Institut schaut, inwieweit wir als Gesellschaft/ Wirtschaft es gelernt haben, mit der Pandemie umzugehen und ob wir uns transformieren konnten. Umso mehr wir an Altem festhalten, desto schlechter sehen die Szenarien aus. Die Zukunftsbilder helfen dabei, sich gemeinschaftlich auf den Weg zu machen.

Wenn man sich nun mit einem Szenarium angefreundet hat und gerne diese Zukunft anstrebt, dann kommt ja die Frage auf, wie erreicht man nun diese mögliche Zukunft.

An dieser Stelle setzt nun die Theorie U an.

Die Theorie U beschreibt einen Prozess, in dessen Verlauf das Neue geboren wird. Dabei holt man die Zukunft ins Jetzt und versteht und spürt die im entstehen begriffene Zukunft. Kombiniert mit dem Integralen Ansatz von Ken Wilber (ein systematisches Modell der Welterklärung) und dem Spiral Dynamic Model , wo es um Bewusstseins- und Werteebenen von Organisationen und Menschen geht, hat man einen guten Kompass, um sich in der Community gemeinschaftliche auf den Weg in die Zukunft zu begeben.

Wichtig ist dabei der Kommunikationsraum. Wir brauchen unbedingt Rahmenbedingungen für Reflexion, Kommunikation und Experimentierräume, damit das Neue entstehen kann.

Die Community als Wandlungsmedium

Ich habe unterschiedlichste Gruppen, mit denen ich mich auf den Weg mache:

  1. Die Movies
    Mit den Movies (Verein Großgruppenmoderation e.V. move-your-vision) bin ich seit 2003 verbunden. Wir entstanden aus einer Ausbildung zu Großgruppenmoderatoren und privatisierten danach unsere weitere Potentialentwicklung. Seit 2003 ist keine Methode mehr vor uns sicher. Wir haben alles an uns selbst ausprobiert und können danach entscheiden, was für uns taugt und was nicht. Wir sind unser eigenes Experimentierfeld und haben in diesen 18 Jahren unendlich viel gelernt.
  2. Die Wandelinas
    Eine Knospe dieser Movies, sind die Wandelinas.  Bärbel, Dörte und ich treffen uns seit 2 1/2 Jahren einmal im Monat und tauschen uns über die Veränderungen in der Welt aus. Wir unterstützen uns gegenseitig dabei, unsere Veränderungen zu bewerkstelligen und die Wege zu gehen. Jeder hat andere Schwerpunkte  und wir ergänzen uns hervorragend. Wir sind eine Community des Wandels. Ohne sie, hätte ich meinen Weg in den letzten Jahren nicht gehen können.
  3. Die WandelBar
    Die WandelBar war ein Projekt, das im März 2020 erst virtuell startete. Mit 9 anderen Organisationsentwicklern tauschte ich mich über Zoom darüber aus, wie die verschiedenen Zukunfts- Szenarien sich wohl darstellen und wie man einen Weg in die Zukunft gehen könnte. Im September 2020 startete ich dann mit der Beratergruppe als Background meine reale WandelBar in Lippstadt. Nach 2 realen Treffen wurde auch aus dieser Gruppe wieder eine virtuelle und wir gingen zusammen den Weg nach der Theorie U. Im Juni 2021 haben wir uns das erste Mal wieder real auf einem Wandelgang getroffen und ich bin gespannt, ob wir nun gemeinschaftlich etwas Neues beginnen.
  4. Das Klimanetzwerk
    Das Klimanetzwerk habe ich ja nach der ersten großen Klimademo im Juni 2019 gemeinsam mit Sabine Hense Ferch und Tanja Frank gestartet. Seither treffen wir uns 1 x im Monat und haben in Lippstadt schon enorm viel verändert. Wir treffen uns z.B. mit der Wirtschaftsförderung und dem Bürgermeister und nehmen an Ratssitzungen als Antragssteller und am Klimabündnis der Stadt teil. Die Presse begleitet unsere Aktionen wohlwollend und die Community ist beachtlich gewachsen. Wir haben mittlerweile ein 7 köpfiges Kernteam, ein Social Media Team, haben einen Teams Kanal und eine Homepage. Das alles ohne Vereinsstruktur und ohne Mitgliederbeiträge. Wir haben mittlerweile über 80 Teilnehmer im E-Mail- Verteiler. Unser erstes Klima- BarCamp im März wurde von Sponsoren unterstützt und wir hatten über 50 Teilnehmer, die sich über die vielen Themen informieren wollten.
  5. Der Dorfgarten in Dedinghausen
    Im Dorfgarten Dedinghausen habe ich die Permakultur kennen gelernt und erfahren, wie schwierig es ist, sich mit eigener Landarbeit zu ernähren. Ich habe gelernt, wie schnell ein Brunnen austrocknen kann und welche Techniken dann helfen, mit dem wenigen Wasser noch zurecht zu kommen. Wir haben gelernt, wie Pflanzen sich gegenseitig unterstützen und wie man gut Erde erzeugen kann. Aber vor allem haben wir gemeinsam gelernt, ein Projekt demokratisch umzusetzen und solidarisch zu arbeiten und die Ernte zu teilen.
  6. und meine vielen weiteren Gruppen, die mich seit Jahren begleiten, wie z.B.mein WOL MasterMind Circle, digitalwirksam, das Frauennetzwerk Lippstadt und die CoLearning Community.

Unser nächstes Netzwerktreffen bei den Movies findet in einer Woche statt. Es geht um das Thema Resonanz. Ich bin gespannt, für was wir gemeinsam Resonanz verspüren.

Wir wollen Zukunft sähen und Impulse setzen. Das Thema steht, aber die Agenda ist offen.

Ich freue mich auf die Movies, das Wochenende in Fulda und bin gespannt darauf, was wir gemeinsam veranstalten werden.

Ein Symbol für den Wandel und eine neue Lebensphase ist übrigens der Koru, (ein Wort der neuseeländischen Ureinwohner, den Maori). Der Koru ist ein Farnkraut und zwar im frühesten Entwicklungsstadium. Es ist das Zeichen für den Beginn eines neuen Lebens oder ein Neuanfang –

der Neuanfang für die Post-Corona Zeit

Allen Lesern wünsche ich eine schöne Urlaubszeit. Schaut selbst, wo ihr Eure Zukunft erspüren könnt und kommt ins Tun, damit die Zukunft sichtbar wird.

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