Hidden Champion – Community of practice (CoP)

Die Community of practice (CoP) ist ein Netzwerktyp, der wie die Methode Working out Loud (WOL) in den letzten Wochen einen gewissen Hype erfahren hat. Durch die Community of practice zum Thema Working out loud #WoLCoP wurde auch diese Form des selbstorganisierten Lernens immer sichtbarer.

In diesem Artikel möchte ich folgende Punkte ansprechen:

1. Was ist eigentlich eine Community of practice?

2. Was tut ein Netzwerkkoordinator?

3. Praxisbeispiel: move-your-vision

4. Wo gibt es Parallelen von CoP zu WoL?

1. Was ist eigentlich eine Community of practice (deutsch: Lernnetzwerk)?

Lernnetzwerke oder auch Wissensgemeinschaften sind:

  • über einen längeren Zeitraum bestehende Personengruppen,
  • die Interesse an einem gemeinsamen Thema haben und
  • Wissen gemeinsam aufbauen und austauschen wollen.
  • Die Teilnahme ist freiwillig und persönlich.
  • Wissensgemeinschaften sind um spezifische Inhalte gruppiert,
  • B. Technologien, Prozesse, Methoden, Produkte oder 
 persönliche Erfahrungsfelder. (North et al., 2000, S.3)

Diese Form der Vernetzung und des gemeinsamen Lernens gibt es schon sehr lange. Ich selbst lerne seit über 15 Jahren in einem solchen Netzwerk zum Thema „Beteiligungsorientierte Veränderungsbegleitung und Großgruppenmoderation.“

Diese Form der Netzwerke ist entstanden, da man erkannt hat, dass Wissen nur dann fließt, wenn sich Mitarbeiter vertrauen und kooperieren und wenn man einen Rahmen findet, in dem auch unbewusstes Wissen und „Nichtwissen“ kommuniziert werden kann.

Hierzu möchte ich  auch nochmals auf meine Abschlussarbeit im Studium der Personalentwicklung zum Thema „Wissensnetzwerke als Keimzelle des Wissensmanagements“  – Motivation, Anreize und Gestaltungsempfehlungen für Wissensnetzwerke (01/2003) hinweisen. Es ist frappierend, wieviel davon noch hochaktuell ist, auch wenn einige Passagen auch nostalgische Elemente enthalten.

Auch die Lernforschung ist mit eingeflossen, denn man hat erkannt, wie wichtig Beziehungen beim Lernen sind. Kinder brauchen, um ihre Lernfähigkeit und Lernbereitschaft zu entwickeln, sichere und befriedigende Beziehungen zu ihren Betreuern.
 Das gilt auch für lernende Organisationen.

Häufig wird das Wort „Netzwerk“ gebraucht, wenn es ein Forum meint. Das Forum ist ein offenes Treffen. Hier gibt es keine Verbindlichkeit und keine definierten gemeinsamen Ziel. Es geht eher darum Visitenkarten auszutauschen und Themen voranzubringen. Daneben spricht man manchmal von Netzwerken, wenn es eigentlich um Kooperationen geht. Dies sind Geschäftsbeziehungen, die vertraglich geregelt sind und geschäftlichen Beziehungen dienen. Die Austrittsbarrieren sind dem entsprechend gering.

Die Community of practice als Netzwerk ähnelt einer Paarbeziehung. Hier tritt man einer Gemeinschaft bei und man glaubt an die gemeinsame Sache. Jeder trägt Verantwortung, die Austrittsbarrieren sind dementsprechend emotional hoch. Denn wenn man sich die anderen vertraut gemacht hat, trägt man Verantwortung füreinander.

Community of practice

2. Was tut eigentlich der Netzwerkkoordinator?

Neben den Aufgaben, den technischen und organisatorischen Support bereitzustellen, ist er in erster Linie auch ein Teamentwickler und arbeitet zusammen mit dem Team die eigenen Spielregeln aus. Darüber hinaus ist er aber auch ein Organisationsentwickler, denn aus dem Netzwerk wird im Laufe der Zeit eine eigenständige Einheit. Es entsteht eine Identität und ein Wir- Gefühl. Die Mitglieder tauschen sich über ihre Sichtweisen und Werte aus und entwickeln eine gemeinsame Haltung. Durch die intensive Arbeit am System und mit den Menschen entsteht tragfähiges Vertrauen. Führen im klassischen Sinne kann man ein Netzwerk nicht.

Der Netzwerkkoordinator hat die Haltung des Facilitators (Ermöglicher oder Prozessbegleiters). Der Facilitator bringt die Menschen in Beziehung und klärt die Aufgaben und Spielregeln. Er schafft als unabhängiger Experte für Verfahren und Prozesse den Raum, in dem sich die Beteiligten sicher, autark und geführt zugleich fühlen, um ihre eigenen Lösungen zu entdecken.

In einem Netzwerk gibt es keine Hierarchie – die fehlende strukturelle Hierarchie wird durch Selbstorganisation und Selbstverantwortung ersetzt. Alle arbeiten auf Augenhöhe, das System sucht sich seine kontent- bzw. aufgaben- oder situationsgebundenen Experten. Die Teilnahme am Netzwerk ist freiwillig und persönlich.

4 Ebenen eines Netzwerkes

Eine kleine Orientierung über die Aufgaben, die am Beginn der Netzwerkentwicklung stehen, soll dieses Bild geben.

Prozessschritte der Netzwerkentwicklung

Eine Community of practice ist eine Wissensgemeinschaft oder ein Lernnetzwerk. Es geht hier nicht nur um individuelles Lernen, sondern wenn es gut läuft, um eine lernende Organisation. Das Netzwerk ist hierbei die Organisation. Das Ziel ist gemeinsam und voneinander zu lernen und gemeinsames Wissen aufzubauen.

Der BMW Vorstand Peter Schwarzenbauer soll vor kurzem auf einer BMW Mitarbeiterveranstaltung gesagt haben: “Wir zahlen jedes Jahr Millionen für externe Berater- aber wir schaffen nicht, das Wissen von 130000 eigenen Mitarbeitern zu erschließen.

Aus diesen Worten sehe ich immer noch den Wunsch,  dass man an das Wissen der eigenen Mitarbeiter herankommen will, quasi um das Wissen für das Unternehmen nutzbar zu machen. So lange man aber Wissen als Machtmittel im Unternehmen sieht und die Kultur der Konkurrenz erfolgreich ist, wird es schwierig.  Denn für den Wissensfluss in der Communities of practice braucht man eine Haltung des kooperativen Miteinanders und die Annahme, dass man durch das Teilen von Wissen dazugewinnt und nicht etwas verliert.

Diese Haltung kann man z.B. gut auf den BarCamps und Open Space Veranstaltungen lernen. Für viele ist das mittlerweile eine Philosophie geworden.

3. Praxisbeispiel: move-your-vision

Wer eine solche Community of practice einmal erleben will, der sollte sich zu einem Netzwerktreffen der Movies anmelden.

move-your-visionNetzwerk Großgruppenmoderation e.V., www.move-your-vision.de

Dieses Netzwerk feiert in diesem Jahr seinen 15 Geburtstag. Entstanden ist unser Verein 2003, aus einem großen Veränderungsprozess bei der Post und der Ausbildung interner Großgruppenmoderatoren.

Wir haben uns lange darüber gestritten, ob wie ein Netzwerk oder ein Verein sind und was der Unterschied ist. Wir haben die verschiedenen Möglichkeiten der professionellen Kooperationen uns angeschaut. Was es letztendlich nun geblieben ist, ist eine Community of practice.

Auf einem Vereinswochenende mit Ferdinand Grah zum Thema Design Thinking, gab er uns als Netzwerk ein sehr überwältigendes Feedback.

„Hier steckt enormes Potential und ihr habt viele Schätze. Eure Expertise ist es, dass ihr Dinge hier weiterentwickelt. Das ist ein Hort von Erfahrungsaustausch und ihr geht sehr gut miteinander um. Ihr könntet Menschen einladen, damit sie Euch erleben können. Ihr könntet so eine Art Move- Lab sein, wo Menschen Sachen ausprobieren können, denn ihr kennt die Methoden und seit Offen für die Menschen.“

4. Wo gibt es nun Parallelen von der CoP zu WoL?

Zuerst möchte ich einmal die momentane Diskussion über Working out Loud sichtbar machen.

Der Provokateur Lars Vollmer stellt dabei die These auf:

Urlaub auf der WOL- Insel

Die Kultur verbleibt im anderen Kontext, sie »geht nicht mit«. Deswegen sind auch Working Out Loud und seinesgleichen vor allem ein organisationsinterner Urlaub. Man will ein neues Zusammenarbeiten aufbauen und setzt dazu einfach die aktuelle Kultur einen Moment aus – unter dem Irrglauben, dass die Mitreisenden auch nach ihrer Rückkehr in den alten Kontext dauerhaft Muschelohrringe und Blumenketten tragen werden.

Hierzu schreibt Sebastian Holmann von der Continental AG als Replik:

WORKING OUT LOUD VERBREITET SICH RASANT – WAS KOMMT NACH DEM #WOL-HYPE? EINE REPLIK AUF DEN BEITRAG VON LARS VOLLMER

Es sind also deutliche Veränderungen auf Organisationsebene zu beobachten.
Auch wenn WOL teilweise wie eine  Spielwiese oder eine Graswurzelbewegung daher kommt, verändert sich die Kultur langsam.

Vielleicht auch durch eine begeisterte Führungskraft, aber halt nicht unbedingt durch diese.

Hier ein Podcastbeitrag von Leonid Lenzen im Interview mit Peter Meyer, einer  Führungskraft der Bosch AG zum Thema: Bedeutung von Working out Loud für Führungskräfte

und zum Schluss noch ein begeisterter Artikel, der beschreibt, wie sich die Kultur durch WOL verändert:

So funktioniert „Working out Loud“ bei Bosch

#WOL entfacht Begeisterung, weil es um die persönliche Begegnung von Menschen geht, fernab von Funktion, Rolle und Aufgabe. Menschen, die eins gemeinsam haben: die Veränderung als Chance zu sehen und mit anderen gemeinsam zu lernen, den bestmöglichen Weg für sich selbst zu finden.

so Katharina Krentz – Consultant New Work & Digital Collaboration bei Bosch

Alles was man hier über Working out Loud im Hinblick auf die  Kultur lesen kann, gilt in gleicher Weise auch bei der Community of practice. Die CoP ist nur auf einen längeren Lernprozess angelegt, der WOL Circle ist eher der Sprint.

Bei beiden  Methoden oder Organisationsformen geht es also um:

  1. Lerngemeinschaften
  2. die freiwillig entstehen und persönlich sind
  3. die auf Zeit angelegt sind
  4. die in einem geschützten, hierarchiefreien Raum stattfinden
  5. die durch Vertrauen geprägt sind
  6. in denen Beziehungen entstehen können
  7. die mit Kommunikationsplattformen unterstützt werden
  8. die begleitet werden, aber nicht geführt
  9. es entstehen keine Datenfriedhöfe, sondern das Wissen bleibt beim Mitarbeiter.

Wer in seinem Bereich mit dieser Netzwerkform beginnen will, seine Unternehmenskultur zu verändern, den möchten wir gerne unterstützen. Bärbel Röpke, Rainer Pivit und ich, haben uns vorgenommen die Community of practice als Netzwerkform bekannt zu machen und dafür zu werben.

Als langjährige NetzwerkbegleiterInnen, UnternehmensentwicklerInnen und WeiterbilderInnen im Bereich des Lernens und gelingender Zusammenarbeit möchten wir sogenannte „Communities of Practice“ voran bringen. Damit sind Netzwerke gemeint, die Raum und Struktur für gemeinsames Lernen bieten möchten. Sie sind und bleiben ExpertInnen in Ihren Unternehmen, wir moderieren, halten den Raum und unterstützen Sie beim Formulieren und Erreichen Ihrer Absichten.

Denn Denken, Lenken und gemeinsames Lernen in Netzwerken wie den hier erwähnten CoP sind kein Luxus, sondern wirkungsvoller Standard in komplexen Zeiten.

Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf:

In einem Telefonat (ca. 30 min) klären wir Ihren Vernetzungswunsch. Kostenfrei, jedoch bestimmt nicht umsonst. info@den-wandel-gestalten.de , (02941) 67 99 240