Lernräume gestalten – eine 6 wöchige Lernreise

Seit ich mit der Co Learning Community verbunden bin, mache ich mich ja häufiger auf eine Lernreise.

In diesem Jahr war es das #moocamp20. Vom 20. April bis zum 29. Mai 2020 fand das von der Corporate Learning Community initiierte Corporate Learning MOOCamp 2020 statt. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung ist „Lernräume gestalten – offline, online und hybrid“.

Das Wort MooCamp ist zusammengesetzt aus MOOC (Massive Open Online Course) und BarCamp (eine Unkonferenz ohne Agenda).

Lernräume haben mich schon immer fasziniert, da ich als Großgruppenmoderatorin den „Ort der Location“ als wesentlichen Erfolgsfaktor einer Veranstaltung kennen gelernt habe. Im letzten Jahr hatte ich mich mit Co Working Spaces beschäftigt und viele Orte in Berlin, Hamburg, Bielefeld und sogar auf Mallorca besucht. Dann habe ich die Plattform iRooms kennen gelernt und dort einen virtuellen Co Learning Room, die WandelBar eingerichtet. Diese Lernreise sollte mich nochmals mit dem Thema allumfassend beschäftigen, bevor ich in Lippstadt einen öffentlichen Lernraum für die Gesellschaft suchen und finden will.

Eine Lernreise über 6 Etappen:

Unser Lernraum ist das Internet und zwar der maximal möglichen Lernraum durch Einbeziehung von Online-Plattformen für Austausch und Vernetzung wie Facebook, LinkedIn, MS Teams, Podcast, Slack, Telegram, Twitter, Xing, YouTube, Zoom und das verbindende Element der Hashtag #moocamp20. Mit diesem Hashtag kann man überall die Beiträge finden, die die ca. 250 Teilnehmer schreiben. Vielleicht sind es noch viel mehr Teilnehmer, denn eine Übersicht darüber gibt es für die Teilnehmer nicht. Man musste sich zwar über eine E-Mail bei der Co Learning Community anmelden, aber aus Datenschutzgründen wurde natürlich keine Teilnehmerliste herausgegeben.


Bildquelle: CoLearn Community

In der ersten Woche ging es darum ein Lernziel zu definieren und dieses Lernziel sollte man auf dem Blog der Lerncommunity ankündigen. Daraus sollten sich schon erste Lerngruppen bilden, was auch gut geklappt hat.

In der ersten Woche habe ich als Lernziel noch definiert, dass ich für einen Co Working Space in Lippstadt eine Lernraum eröffnen will. Ich hatte damals an eine Raum in iRooms gedacht, also einer Kooperationsplattform, aber das Lernziel hat sich in den 6 Wochen etwas verändert.

In der Woche 2 ging es an den Bodensee zur ZF Friedrichshafen AG. Die Frage, die uns gestellt wurde war: Wie bringt man möglichst viele Mitarbeiter dazu, sich aus eigenem Antrieb weiterzuentwickeln? Wir wurden in die Lernräume von ZF eingeführt. Eine Lernkulturanalyse hatte 2019 gezeigt, dass informelles Lernen noch lange nicht den Stellenwert besitzt wie formales Lernen. Deshalb sollte eine Learning Challenge über die Dauer von 3 Wochen  und einem täglichen Aufwand von 10 min. die Teilnehmer in die neuen Lernwelten einführen und die Lernmentalität verändern. Dabei war Lernzeit natürlich Arbeitszeit, denn Arbeiten und Lernen kann man beim Agilen Arbeiten nicht mehr trennen.

In der 3. Woche ging es dann zu Porsche ins Porsche Learning Lab. Hier soll es neben den virtuellen Räumen demnächst auch physische Lernräume geben. Das Konzept wurde uns vorgestellt und über viele weitere Blogbeiträge und die Mural Plattform konnte die  Community ihre Anmerkungen zum Konzept machen und Verbesserungsvorschläge einbringen.
Die Personalentwicklung bei Porsche will eine lebhafte Learning Community aufbauen. Ihre Aufgabe dabei ist:

  1. Wir gestalten Rahmenbedingungen
  2. Wir setzen Impulse
  3. Wir vernetzen Akteure
  4. Wir geben Orientierung

Auf diese Weise ist die Personalentwicklung Treiber und Enabler einer dynamischen Lernkultur.

Der Abschluss der Woche war ein Foto Contest mit der Frage: Was macht lernen für euch erfolgreich? Meine 3 Erfolgsfaktoren: Die Community, die gemeinsame Vision und die gemeinsame Zeit.

Bei der Viessmann Akademie ging es dann um die Frage: Loss in Space oder: Wo finde ich den richtigen Lernraum? Das Problem der Viessmann Akademie ist, dass sie nicht nur Seminare und Lerninhalte für die eigenen Leute anbieten, sondern auch für die Installationbetriebe, die ihre Produkte beim Endkunden einbauen und reparieren. Die Handwerker sind nur wenig im Büro und haben keinen Zugang zu den Lernplattformen, wenn sie beim Kunden sind. Eine zentrale Frage war, wenn der Köder dem Fisch schmecken muss, wie regen wir Nicht-Lerner an, zu Lernenden zu werden? Was macht einen Raum zum Lernraum? und „Neue Trainer braucht das Land!“ Welche Kompetenzen braucht ein Trainer in der heutigen und zukünftigen Lernräumen?

Nette Abfrage und der Lerner steht im Mittelpunkt. So soll es sein.

Am 15. 05. habe ich beim BarCamp eine Session von Karlheinz Pape mitgemacht.
Seine These:
Mit dem Gestalten von lernförderlichen Bedingungen und einer ausgeprägten Lernkultur, leistet L & D einen wichtigeren Beitrag fürs Überleben eines Unternehmens als mit dem Vermitteln von Wissen.

Corona wird ganz sicher nicht die letzte unvorhergesehene Veränderung eingeleitet haben.

Spätestens jetzt brauchen wir Learning Professionals eine klare Ausrichtung auf die Unterstützung der Kompetenzentwicklung von Mitarbeitern – auch für nicht vorstellbare Situationen. Das Aufbereiten von Wissen für Zielgruppen hilft da wenig. Kompetenz können Mitarbeiter nur selbst durch Handeln in unterschiedlichen Situationen aufbauen.

Wir könnten dafür – gemeinsam mit den Führungskräften – den Rahmen gestalten. Erforderlich ist:

  • Die Herausforderung für den Mitarbeiter (die echte Aufgabe)
  • Der nötige Handlungsspielraum für den Mitarbeiter (Lernzeit, Lernbudget, Lernkultur)
  • Zugang zu Wissensquellen, Experten und Netzwerken
  • Konstruktives Feedback, Bestätigung des Könnens

Quelle: Nach Corona: Lernräume statt Lerninhalte gestalten von Karlheinz Pape

Als letzte Firma stellt sich dann vom 18.05.-22.05. QualityMinds vor. Sie stellte die Woche unter das Motto:

Individuelle Lernräume mit agilen Prinzipien öffnen und gestalten.

Quality Minds hat der Co Learning Community einen Lernraum eröffnet, indem die Teilnehmer Grundlagen und Vertiefungen zum Thema „agiles Lernen“ und „agiles Learncoaching“ lernen konnten.

Ich habe mir vor allem den Vertiefungspfad zum Agilen Lerncoaching vorgenommen und habe auch die Diskussionen auf Twitter zum Thema „Agiles Lernen in einem Satz“ verfolgt.

Hier einige Beispiele:

Agiles Lernen:
Lernen am Arbeitsplatz?
Lernen on Demand?
Selbstlernen mit Unterstützung?
Lernende brauchen uns, um zu entdecken, was sie brauchen?
In dem Moment, wenn ich es brauche?

Klar ist, dass agiles Lernen nichts mit dem üblichen Vorratslernen zu tun hat, sondern wir lernen agil, wenn wir ein Problem lösen müssen.

In den Lernpfaden konnte man Blogbeiträge lesen, Podcast hören und auch Einzelaufgaben erledigen. Die Aufgaben konnten in ca. 10 min. erledigt werden, so das es angenehme Lernhappen waren.

Hier eine schöne Skechnote zum Abschluss der Qualityminds Woche.

In dieser Woche geht es nun um die Reflexion des moocamps20. Was haben wir gemeinsam im moocamp20 gelernt? Was machen wir mit dem neuen Wissen? Wie geht es weiter?

Wie zu Beginn schon angedeutet, habe ich mein Ziel mittlerweile verworfen und ein neues Ziel definiert. Ich möchte in Lippstadt viele kleine Lernräume starten unter dem Titel: WandelBar.

Hier will ich als agiler Lerncoach Lernmöglichkeiten schaffen, indem sich die Teilnehmer über die Themen Wandel, Veränderung, Krisenbewältigung, Transformation, Nach-Corona-Zeit austauschen können. Es geht mir dabei nicht um das Lernen von Inhalten, sondern um die sozial- ökologische Transformation in Lippstadt, also um das Leben in Lippstadt. Ich habe schon Kontakt zur Stadtbibliothek aufgenommen und einen Gesprächstermin für nächste Woche. Außerdem habe ich Kontakt mit einem Café aufgenommen, um dort abends kleine Wandelimpulse geben zu können. Dort möchte ich die Erfahrungen aus meiner virtuellen WandelBar in die reale Welt übertragen. Es soll ein Kommunikationsraum und Raum der Begegnung sein. Schön wäre, wenn die Menschen sich so tief verbunden fühlen würden, dass sie sich vernetzen und weiter miteinander lernen und sich gemeinsam weiterentwickeln wollen. Es könnten also kleine Lernnetzwerke entstehen, die sich zusammen auf Lernreise machen oder Genossenschaften gegründet werden, die gemeinsam wohnen oder Energie erzeugen wollen. Think Big!

Leider ist diese Lernreise morgen zu Ende. Aber es geht bestimmt irgendwo weiter.

Lernreisen sind für mich kleine Sprints beim agilen Lernen.

In den letzten 6 Wochen habe ich mich wieder intensiv mit dem Thema Lernen beschäftigt und das völlig intrinsisch motiviert und selbstverantwortlich und selbstorganisiert. Ich habe wieder neue digitale Tools und neue Mitstreiter kennen gelernt. Vielen Dank für diese Möglichkeit. Vielen Dank an Simon Dückert, Karlheinz Pape, Jochen Robes und Volkmar Lange für Eure Arbeit für die Community.

P.S. Dieses Jahr werden wir vielleicht nicht verreisen können. Auf Reisen lernen wir Neues kennen, Kulturen, Sprachen, Länder usw.

Mein Reisetipps für die Coronazeit:  Lernen Sie sich selbst besser kennen, z.B. auf dem Wandelgang, eine virtuelle Reise zu sich selbst oder bei einer Meditation von Dr. Joe Dispenza. Beschäftigen Sie sich mit der Quantenphysik und wie sie unser Bild von der Welt verändert.  Lernen Sie neue Räume kennen, die sie alleine durch ihr Bewusstsein bereisen können. Eine spannende Reise für die man 6 Wochen braucht, um sein Leben verändern zu können.

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